Immobilienfinanzierung: Kreditvergabe droht restriktiver zu werden

Die niedrigen Zinsen motivieren zum Immobilienkauf. Wer Eigentümer werden möchte, sah sich bislang auch nicht unter Zeitdruck: Mit einem Ende der Tiefzinsphase ist vorerst nicht zu rechnen, wie die Politik der Europäischen Zentralbank zeigt. Trotzdem sollten sich Kaufwillige so langsam mit der Finanzierung sputen: Wegen konjunktureller Risiken droht eine restriktivere Kreditvergabe durch die Banken.

Die niedrigen Zinsen motivieren zum Immobilienkauf. Wer Eigentümer werden möchte, sah sich bislang auch nicht unter Zeitdruck: Mit einem Ende der Tiefzinsphase ist vorerst nicht zu rechnen, wie die Politik der Europäischen Zentralbank zeigt. Trotzdem sollten sich Kaufwillige so langsam mit der Finanzierung sputen: Wegen konjunktureller Risiken droht eine restriktivere Kreditvergabe durch die Banken.

Düsseldorf. Wer Eigentümer einer Immobilie werden möchte, muss sich womöglich auf größere Hürden bei der Finanzierung einstellen. Die Zinsen sind zwar nach wie vor auf sehr niedrigem Niveau und es ist auch nicht absehbar, dass sich in nächster Zeit etwas daran ändern wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt ihrer Geldpolitik der Niedrigzinsen bis auf weiteres treu. Dennoch sieht es danach aus, dass die Banken in Deutschland Immobilienkredite künftig zurückhaltender vergeben könnten.

Das zeigen zumindest Medienberichte über eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) unter 120 Banken und 30 Fintechs. Die Ergebnisse sind diese Woche bekannt geworden, wie unter anderem die FAZ berichtete. Demnach erwarten 27 Prozent der Institute, die Konditionen für Immobilienkredite würden künftig hochgesetzt werden. Dem Übergang zu einer restriktiveren Vergabe von Immobilienkrediten liegen Sorgen um die Entwicklung der Konjunktur zugrunde.

Abflauende Konjunktur erhöht Ausfallrisiko für Kredite

Aus diesem Grund ist auch etwa die Hälfte der Befragten der Meinung, dass die Vergabe von Krediten an Unternehmen restriktiver gestaltet wird. Das ist eine deutliche Trendwende, denn in der letzten Umfrage hatte EY diese Antwort nur von 6 Prozent der Befragten bekommen. Das war im April 2018. Seither mehren sich aber die Anzeichen für eine Eintrübung der Konjunktur in Deutschland. In der aktuellen Befragung von EY rechneten zwei Drittel der Befragten mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage.

Erst gestern (17. Oktober 2019) hat die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für 2020 auf 1,0 Prozent Wirtschaftswachstum heruntergesetzt. Im April hatte man noch 1,5 Prozent erwartet. Mit einer abflauenden Konjunktur steigt für die Banken das Risiko, dass Kredite ausfallen. Das gilt natürlich besonders für Kredite an Unternehmen. Aber in zweiter Linie trifft es auch die Immobilienkredite von Privatleuten, die bei schwächelnder Wirtschaft vermehrt von Einkommenseinbußen und Arbeitslosigkeit betroffen sein können. Das ist umso kritischer, weil die niedrigen Zinsen auch Einkommensschwächere zum Immobilienkauf verleiten.

Restriktivere Vergabe von Immobilienkrediten zu erwarten

Gegen diese Risiken müssen die Banken vermehrt Vorsorge treffen. Auch bei Bundesbank und Bankenaufsicht (Bafin) nimmt man die Risikovorsorge der Banken nun laut Medienberichten wieder ernster. Immerhin hat man erst kürzlich eine Warnung von europäischer Ebene vor einem zunehmenden Blasenrisiko am deutschen Immobilienmarkt erhalten. In der Folge werden wohl auch die Banken künftig bei der Vergabe von Immobilienkrediten genauer hinschauen und auf mehr Sicherheiten achten.

In der Hochkonjunktur der letzten Jahre war das kein Thema gewesen: Die Banken brauchten praktische keine Vorsorge für das Risiko ausfallender Kredite zu betreiben. Selbst 100-Prozent-Finanzierungen – also eine Kreditvergabe ganz ohne Eigenkapital – war durchaus im Bereich des Möglichen, zumindest für Immobilienkäufe durch Unternehmen und gutverdienende Privatiers. Damit scheint es nun langsam vorüber zu gehen. Wer den Erwerb einer Immobilie plant, sollte sich demnach mit der Finanzierung nicht mehr viel Zeit lassen – obwohl die Zinsen auf niedrigem Niveau stabil bleiben.

Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Westfalen verfasst.

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