Zwei Jahre Baukindergeld: Positive Zwischenbilanz

Das Baukindergeld wurde anfangs von vielen Seiten kritisiert. Doch die Unkenrufe bewahrheiten sich offenbar nicht. Mittlerweile kann das Baukindergeld es seit knapp zwei Jahren beantragt werden, so dass belastbare Zahlen vorliegen. Und die Zwischenbilanz fällt positiv aus. Das Baukindergeld hilft dort, wo es gebraucht wird – die Frage ist allerdings, wie lange noch.

Das Baukindergeld wurde anfangs von vielen Seiten kritisiert. Doch die Unkenrufe bewahrheiten sich offenbar nicht. Mittlerweile kann das Baukindergeld es seit knapp zwei Jahren beantragt werden, so dass belastbare Zahlen vorliegen. Und die Zwischenbilanz fällt positiv aus. Das Baukindergeld hilft dort, wo es gebraucht wird – die Frage ist allerdings, wie lange noch.

Berlin. Das Baukindergeld hat sich in den ersten zwei Jahren seit seiner Einführung bewährt: Der Zuschuss kommt – anders als vielfach geargwöhnt – vor allem einkommensschwachen Familien zugute. So stammen die bisher bewilligten Anträge auf Baukindergeld zu 41,8 Prozent von Familien, deren zu versteuerndes Haushaltseinkommen maximal 30.000 Euro beträgt. Deutlich mehr als die Hälfte der Anträge – 62 Prozent – bekamen Familien bewilligt, die höchstens 40.000 Euro Einkommen im Jahr versteuern müssen.

Besser verdienende Haushalte beantragen das Baukindergeld dagegen kaum. Nur 3,1 Prozent der bewilligten Anträge kommen Familien zugute, die ein Haushaltseinkommen von mehr als 80.000 Euro zu versteuern haben. Das geht aus aktuellen Zahlen hervor, die Haus & Grund Rheinland Westfalen vorliegen. Die Daten hatte das zuständige Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat in seiner Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion Mitte Juni zusammengestellt.

Familien kaufen vor allem in größeren Städten

Selbst aus der Einkommenskategorie zwischen 60.000 und 80.000 Euro kamen bisher nur 10,2 Prozent der bewilligten Anträge. Ein Viertel (24,9 Prozent) der Nutznießer des Baukindergeldes haben ein Haushaltseinkommen von 40.000 bis 60.000 Euro. „Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass die Kritiker des Baukindergelds mit Ihren Unkenrufen falsch lagen“, stellt Erik Uwe Amaya, Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland Westfalen mit Blick auf die seinerzeit geäußerte Kritik fest, das Baukindergeld käme vorwiegend denen zugute, die es gar nicht nötig hätten.

Es ist indes nicht der einzige widerlegte Kritikpunkt. So hatten Kritiker etwa auch vermutet, mit dem Baukindergeld würde vor allem Neubau auf dem Land gefördert, wo dieser eigentlich angesichts eher geringer Wohnraumnachfrage gar nicht nötig sei. Auch hier sprechend die Zahlen des Ministeriums eine ganz andere Sprache. Die meisten Antragsteller erwerben mit dem Baukindergeld eine Immobilie in einer Mittelstadt – das trifft auf 30,9 Prozent der bewilligten Anträge zu. In größeren Kleinstädten kaufen 19,9 Prozent der Familien mit Baukindergeld.

Baukindergeld: Bestandsimmobilien besonders beliebt

Auch Großstädte sind beliebt: 17,9 Prozent der Anträge hatten einen Erwerb in einer Großstadt zum Ziel. Nur 13,5 Prozent der Antragsteller wollten in einer Landgemeinde Eigentum erwerben, 17,7 Prozent in kleinen Kleinstädten. „Die mit dem Baukindergeld erworbenen Immobilien verteilten sich insgesamt also ziemlich gleichmäßig auf Stadt, Land und Speckgürtel“, analysiert Amaya – „mit einem leichten Überhang auf Seiten der größeren Städte. Das Baukindergeld hilft also genau dort, wo es angesichts hoher Grundstückspreise besonders gebraucht wird.“

Entgegen seinem Namen ist das Baukindergeld nicht nur für Neubauten zu bekommen, sondern fördert vielmehr auch den Erwerb einer Bestandsimmobilie durch eine Familie. In der Tat zeigt die Statistik, dass es sich bei letzterem sogar um den weitaus häufigeren Fall handelt. Insgesamt sind bisher in Deutschland 232.803 Anträge auf Baukindergeld gestellt worden. Davon ging es in 145.117 Fällen um den Erwerb eines gebrauchten Eigenheims, also in zwei Dritteln (62 Prozent) der Fälle. Weitere 30.572 Familien zielten auf den Erwerb einer gebrauchten Eigentumswohnung.

Viel Baukindergeld fließt nach NRW – Bayern stockt auf

Zum Vergleich: Auf eine Neubauwohnung hatten es nur 5.457 Antragsteller abgesehen, ein neu gebautes Haus stand in 51.656 Fällen auf der Wunschliste. „Das Baukindergeld führt also nicht dazu, dass über den Bedarf hinaus neu gebaut würde. Im Gegenteil: Das Prinzip ‚Jung kauft alt‘ funktioniert“, erklärt Erik Uwe Amaya und gibt zu bedenken: „Das Baukindergeld war auch nicht in erster Linie dazu gedacht, den Neubau anzukurbeln. Es soll Familien ins Wohneigentum helfen, die sich das sonst nicht leisten könnten. Und offenbar funktioniert das.“

Die meisten Profiteure des Baukindergeldes sitzen in Nordrhein-Westfalen: 33.436 Anträge aus NRW wurden bislang bewilligt, mehr als aus keinem anderen Land. Auf dem zweiten Platz folgt Bayern mit 22.251 Anträgen noch vor Baden-Württemberg mit 20.065. Gemessen an der Einwohnerzahl haben in Bayern damit sogar mehr Familien vom Baukindergeld Gebrauch gemacht als in NRW. Der Grund: Der Freistaat hat das „Baukindergeld Plus“ erfunden – damit stockt Bayern das Baukindergeld aus Landesmitteln für jedes Kind um 300 Euro pro Jahr auf.

Welche Zukunft hat das Baukindergeld?

Und wie groß war nun der Effekt des Baukindergeldes auf die Wohneigentumsquote? Dazu gibt es nach Angaben des Ministeriums noch keine Anhaltspunkte. Das Statistische Bundesamt hat die Wohneigentumsquote zuletzt im Jahr 2018 bestimmt – und kam damals auf ernüchternde 46,5 Prozent. Eine jüngere Zahl gibt es noch nicht. „Effekte des Baukindergeldes können daher aktuell nicht beziffert werden und sollen im Rahmen der Evaluierung untersucht werden“, heißt es darum in der Antwort auf die kleine Anfrage der FDP.

Wie es mit dem Baukindergeld weitergeht, ist denn auch weiterhin offen. Der Bund hatte es seinerzeit streng begrenzt: Die Förderung gibt es nur für Immobilien, für die bis zum 31. Dezember 2020 der Kaufvertrag unterschrieben wurde. Der Baufinanzierer LBS hatte kürzlich gefordert, diese Antragsfrist wegen der Corona-Pandemie nach hinten zu verschieben. Selbst wenn die Politik darauf einginge, bliebe jedoch offen, ob das Programm insgesamt weitergeführt wird. Das soll erst nach der Evaluation in der nächsten Legislaturperiode beraten werden.

Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Westfalen verfasst.

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