Handel im Wandel: NRW startet Innenstadtoffensive

Dank dem Boom im Online-Handel und der Corona-Krise stehen die Stadtzentren vor großen Veränderungen und einer drohenden Verödung. In zwei Innenstadtgipfeln hat die NRW-Landesregierung erörtert, wie die Zukunft der Innenstädte im Land erfolgreich gestaltet werden kann. Ergebnis der Beratungen ist die Innenstadtoffensive – hierbei haben sich die Beteiligten viel vorgenommen.

Dank dem Boom im Online-Handel und der Corona-Krise stehen die Stadtzentren vor großen Veränderungen und einer drohenden Verödung. In zwei Innenstadtgipfeln hat die NRW-Landesregierung erörtert, wie die Zukunft der Innenstädte im Land erfolgreich gestaltet werden kann. Ergebnis der Beratungen ist die Innenstadtoffensive – hierbei haben sich die Beteiligten viel vorgenommen.

Düsseldorf. Die NRW-Landesregierung hat heute (25. März 2021) die Ergebnisse der beiden Innenstadtgipfel vorgestellt. Die Gipfelteilnehmer lobten die Erhöhung der Corona-Hilfen durch den Bund und die Möglichkeit für den Einzelhandel, verderbliche Waren und Saisonwaren bei den Fixkosten abschreiben zu dürfen. Zugleich kritisierten sie die zögerliche Auszahlung der Corona-Hilfen des Bundes und mahnten mehr Verlässlichkeit an. Die schleppenden Zahlungen hätten viele Einzelhändler in ernste Liquiditätsengpässe getrieben.

Beteiligte der Innenstadtgipfel waren neben der Landesregierung der Handelsverband NRW, der Hotel- und Gaststättenverband NRW, Haus & Grund Rheinland Westfalen, der VdW Rheinland Westfalen, die Architektenkammer NRW, die Arbeitsgemeinschaft Historische Stadt- und Ortskerne, die kommunalen Spitzenverbände und die IHK NRW. Die Partner haben ein Maßnahmenpaket für eine gemeinsame Innenstadtoffensive geschnürt.

70 Millionen Euro für Sofortmaßnahmen gegen Leerstand

Ein Aspekt dabei: Kommunen sollen Sofortmaßnahmen treffen können, um eine Verödung von Innenstädten zu verhindern. Heißt konkret: Sie sollen Immobilien anmieten oder aufkaufen, um schnell eine neue Nutzung oder Umgestaltung ermöglichen zu können. Dazu hatte das Land bereits letztes Jahr das „Sofortprogramm Innenstädte“ gestartet. Nachdem 2020 bereits 40 Millionen Euro flossen, soll das Programm 2021 weitere 30 Millionen Euro bereitstellen.

Das Land will außerdem prüfen, seinen Innenstadtfonds über den 30. April 2021 hinaus zu verlängern und mit weiteren Mitteln aufzustocken. Außerdem hat man eine Zukunftsvision dafür entwickelt, wie es mit den Innenstädten langfristig weiter gehen soll. Denn nicht nur die Corona-Pandemie, auch der Boom des Online-Handels sorgt dafür, dass es tiefgreifende und dauerhafte Veränderungen für die Stadtzentren geben wird.

Wie sieht der Marktplatz des 21. Jahrhunderts aus?

„Ziel ist es, die Innenstädte zu Marktplätzen des 21. Jahrhunderts zu entwickeln“, heißt es im Manifest der Innenstadtoffensive. „Handel, Gastgewerbe, Begegnung, Kommunikation, Kunst und Kultur, Aufenthaltsqualitäten, Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung, Digitalisierung und vieles mehr prägen diese.“ Erreichbarkeit und hohe Aufenthaltsqualität wurden als wichtige Zukunftsfaktoren identifiziert.

Eine funktionierende Infrastruktur für alle Verkehrsträger sei wichtig. Für notwendige Umnutzungen sieht man mehr Flexibilität im Baurecht als wichtig an. Auch im Einzelhandelserlass sollen flexiblere Regelungen geschaffen werden. Mit einem Modell- und Forschungsprojekt zum „Innovationsraum Innenstadt“ will das Land ausprobieren, wie neue Modelle der Multifunktionalität und neue Geschäftsmodelle durch die Verknüpfung von Arbeiten, Handel, Wohnen, Produktion, Kultur und Events aussehen können.

Weniger Bürokratie, mehr Flexibilität bei der Umgestaltung

„Ziel muss die Entbürokratisierung von Bestandsumbau, Nutzungsänderung und Gründertum sein“, heißt es in dem Papier. „Wenn Neugründungen von Unternehmen in leerstehende Ladenlokale einziehen wollen, stehen dem der Nachweis von Stellplätzen, die Anforderungen aus dem Arbeitsstättenrecht und die erforderliche Genehmigung der Nutzungsänderung heute oft im Weg.“ Das will man für die Zukunft ändern.

Wichtig ist natürlich vor allem die Digitalisierung. Bereits seit 2019 helfen vier Digitalcoaches Einzelhändlern in NRW dabei, eine individuelle Digitalstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Das auf drei Jahre angelegte Programm soll jetzt vorzeitig mehr Geld und mehr Coaches bekommen. Außerdem will das Land ein zweites Sonderprogramm zur weiteren Unterstützung der Kleinunternehmer bei der Verknüpfung von stationärem und digitalem Handel starten.

Digitalisierung der Innenstädte soll auch kleine Händler mitnehmen

Das bisherige, aus der Corona-Krise geborene Sonderprogramm „Digitalen und stationären Einzelhandel zusammendenken“ haben bereits mehr als 2.000 Händler genutzt. Sie konnten damit ihr Angebot im Laden durch Online-Angebote ergänzen. Das neue Programm richtet sich ebenfalls wieder an Kleinunternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und einem Umsatz von maximal zehn Millionen Euro oder einer Jahresbilanzsumme von bis zu zehn Millionen Euro.

Für die Stadtplanung nimmt man sich vor, Einkaufslagen künftig in den Innenstädten zu konzentrieren, öffentliche Einrichtungen, Verwaltung und Bildungseinrichtungen in die Zentren zu bringen. Monofunktionale Lagen sollen vermieden werden. „Für lebendige Innenstädte werden neue Gebäudetypologien mit flexiblen Grundrissen für die nutzungsgemischte Innenstadt der Zukunft benötigt“, stellt man mit Blick auf die Architektur fest.

Haus & Grund Rheinland Westfalen bringt sich ein

Auch die Frage nach der Umnutzung von Ladenflächen im Erdgeschoss steht natürlich auf der Tagesordnung. Dienstleistungen, Handwerk, Showrooms oder Wohnungen werden als Möglichkeiten genannt. Das Gesetz über Immobilien und Standortgemeinschaften will das Land daraufhin überprüfen, ob aktiven Einbeziehung privater Initiativen in die Innenstadtentwicklung Verbesserungen am Gesetz sinnvoll sind.

Mit der Zukunft der Innenstädte in NRW sind die Schicksale zahlreicher privater Immobilieneigentümer verknüpft, die in den Zentren Objekte vermieten. Haus & Grund Rheinland Westfalen hat sich daher von Beginn an bei den Innenstadtgipfeln engagiert und die Position der Eigentümer vertreten. Jetzt hofft der Landesverband, dass die ambitionierten Pläne der Innenstadtoffensive zügig und mit Erfolg in die Tat umgesetzt werden.

Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Westfalen verfasst.

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