Lässt das Coronavirus jetzt die Immobilienpreise sinken?

Das Wirtschaftsleben in Deutschland hat durch die Corona-Pandemie eine Vollbremsung hingelegt. Wie lange der weitgehende Stillstand andauern wird, ist unklar. Die Analysten von Empirica sind sich inzwischen allerdings sicher: Die wirtschaftliche Rezession wird auch zu sinkenden Immobilienpreisen führen. Dabei gehen die Fachleute sogar von zweistelligen Prozentwerten aus.

Das Wirtschaftsleben in Deutschland hat durch die Corona-Pandemie eine Vollbremsung hingelegt. Wie lange der weitgehende Stillstand andauern wird, ist unklar. Die Analysten von Empirica sind sich inzwischen allerdings sicher: Die wirtschaftliche Rezession wird auch zu sinkenden Immobilienpreisen führen. Dabei gehen die Fachleute sogar von zweistelligen Prozentwerten aus.

Düsseldorf. Die Kaufpreise für Immobilien werden in den kommenden Monaten um 10 bis 25 Prozent fallen. Davon gehen zumindest die Fachleute des Analyseunternehmens Empirica aus, wie die FAZ jetzt berichtet hat. Demnach wird der wirtschaftliche Stillstand durch die Coronavirus-Pandemie auch vor dem Immobiliensektor nicht Halt machen. Je stärker die Rezession werde, desto weiter würden auch die Immobilienpreise fallen, so die Experten.

Wie tiefgreifend die Rezession wird, ist freilich noch nicht absehbar – immerhin weiß derzeit auch niemand, wie lange der weitgehende Stillstand des Wirtschaftslebens noch andauern wird. Führende Wirtschaftsexperten gehen bislang davon aus, das Bruttoinlandsprodukt werde um 4,2 Prozent sinken. Es gibt aber auch Fachleute, die 20 Prozent für durchaus möglich halten. Bei Empirica rechnet man so oder so mit Notverkäufen von Immobilien, weil Eigentümer hohe Einkommensverluste erleiden.

Nachfrage nach Wohnraum wird sich verändern

Außerdem gehen die Macher der Empirica-Untersuchung davon aus, dass die Binnenwanderung schwächer wird: Der starke Zuzug in die Schwarmstädte wegen besserer Perspektiven für Beruf und Freizeit ist nach ihrer Einschätzung ein Wohlstandseffekt und dürfte sich daher mit schwindendem Wohlstand abschwächen. Eine sinkende Nachfrage würde dann für fallende Immobilienpreise in den Schwarmstädten sorgen.

Zugleich geht Empirica davon aus, dass sich die Nachfrage nicht nur quantitativ, sondern auch strukturell verändern könnte. Die Erfahrungen der Menschen mit längerer Isolation in der eigenen Wohnung während der Pandemie könnten dazu führen, dass Käufer in Zukunft etwa noch mehr Wert auf einen Balkon legten. Das Modell des Homeoffice könnte durch die Pandemie langfristig gestärkt worden sein. In der Folge würden sich Käufer vermutlich Wohnungen mit separatem Arbeitszimmer wünschen. Mikroapartments dürften dagegen weniger gefragt sein.

Angebot von Wohnraum bereits zurückgegangen

Wer mehr zuhause arbeitet, nimmt wohl auch eher längere Pendelwege in Kauf. Für solche Veränderungen der Nachfrage gibt es bislang noch keine messbaren Anzeichen, wohl aber zeigen sich bereits Veränderungen beim Angebot. Im Zeitraum von Anfang bis Ende März sind laut Empirica die in Deutschland deutlich weniger Immobilien zum Kauf angeboten worden. Die Zahl der offerierten Einfamilienhäuser sank um 17 Prozent, bei Eigentumswohnungen betrug das Minus 10 Prozent und bei Mietshäusern sogar 19 Prozent.

Die Preise haben im März allerdings noch nicht nachgegeben. Sie sind nach Angaben von Empirica sogar leicht gestiegen. Die Experten glauben, dass diejenigen, die derzeit verkaufen müssten, noch Preise auf bisherigem Niveau zu erzielen versuchten. Zu welchem Preis die Verkäufe dann wirklich abgeschlossen werden, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Immobilienkaufpreise: Erholung nach Corona-Delle erwartet

Genauso fraglich ist, wie lange der erwartete Einbruch bei den Immobilienpreisen andauern wird. Bei Empirica erwartet man eine Erholung, die im besten Fall am Ende 2021 einsetzen könnte. Die Analysten rechnen damit, dass Deutschland besser durch die Krise kommen wird als andere Länder wie etwa Italien oder Spanien. Wie schon in der Weltfinanzkrise vor einem Jahrzehnt könnte das zu einer verstärkten Zuwanderung aus diesen Ländern nach Deutschland führen.

Eine Zuwanderungswelle könnte die Nachfrage nach Wohnraum dann wieder anheizen und damit auch für steigende Kaufpreise sorgen, so die Überlegung. Spannend ist außerdem die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen Mieten und Kaufpreisen entwickelt. In diesem Jahr zeigte das erste Quartal laut Empirica einen Mietenanstieg von nur noch 0,8 Prozent, während sich Eigentumswohnungen um 2,8 und Einfamilienhäuser um 2,7 Prozent verteuerten.

Seit Jahren ist festzustellen, dass die Mieten viel geringer steigen als die Kaufpreise. Das kann inzwischen in gewissen Konstellationen die finanzielle Kalkulation der Eigentümer ins Wanken bringen. Empirica rechnet damit, dass die Neuvertragsmieten durch die Corona-Pandemie vorübergehend sinken werden. Wie stark, das ist auch hier von der Stärke der Rezession und damit der Einkommensentwicklung abhängig. Vermutlich würden die Mieten aber nicht so stark sinken, wie die Kaufpreise.

Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Westfalen verfasst.

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